Federwaage

Zugspannung ermitteln

Hat man ein Instrument mit gespannten Saiten vor sich, läßt sich mithilfe einer Federwaage die ungefähre Zugspannung der Saiten ermitteln. Das ist besonders dann hilfreich, wenn man umsponnene Saiten austauschen möchte und sonst keine Informationen über den Saitentyp oder den Darmäquivalent hat. Allerdings ist diese Methode relativ ungenau, weil man die zu ermittelnden Werte nicht wirklich gut "messen" sondern eigentlich nur "schätzen" kann. Und weil es praktisch keine geeigneten Federwaagen mit einem brauchbaren (niedrigen) Meßbereich im Handel gibt. Am besten eignen sich dazu noch digitale Fischwaagen (bis 3 kg) und keine Kofferwaagen (bis 40 kg und mehr).

Mit einer Federwaage wird die Saite in der Mitte des Schwingungsbereiches aus ihrer Ruheposition in Richtung der Nachbarsaite heraus gezogen. Dabei das Zuggewicht auf der Federwaage ablesen und gleichzeitig die Wegstrecke ausmessen, den die Saite aus ihrer Ruheposition heraus gezogen wurde. Weil ich schlecht zwei Werte gleichzeitig ablesen kann, behelfe ich mir damit, die zu messende Saite mit der Federwaage bis ganz kurz vor die benachbarte Saite zu ziehen - so weit, dass sich die Saiten gerade noch nicht berühren. Mit der Federwaage bekommt man schnell ein Gefühl dafür, wenn man zu weit gezogen hat und anfängt die Zugspannung der zweiten Saite mit zu messen.



Die Wegstrecke, welche die Saite somit zurück gelegt hat, entspricht dem freien Raum zwischen den beiden Saiten im Ruhezustand. Dieser Saitenabstand läßt sich mit einem Meßschieber oder einer Micrometerschrauber ermitteln.



Rechenformel

Zugspannung = (Federwaage * Mensur) / (4 * Wegstrecke)


Die Einheiten dazu sind:

- Zugspannung in Kilopond kp
- Federwaagenzug in Kilogramm kg (eigentlich auch kp)
- Mensur in Millimeter mm
- Wegstrecke der Auslenkung in Millimeter mm



Beispiel

Der Federzugwert im Bildbeispiel ist 0,550 kg
Die Wegstrecke der Auslenkung auf dem Meßschieber 12,0 mm
Die Saite hat eine Schwingungslänge (Mensur) von 83,5 cm - also 835 mm

In der Rechenformel steht dann:

(0,550 kg * 835 mm) / (4 * 12,0 mm) = 459,25 / 48 = 9,57 kp

Die mit der Federwaage "gewogene" Saite hat also eine Zugspannung von ungefähr 9,57 kp. Wie oben beschrieben, läßt sich der Wert mit den üblichen Bordmitteln nicht genauer ermitteln - aber oft möchte man auch einfach nur die grobe "Richtung" der Zugspannung wissen. Ob es eher 10, 15 oder 25 kg sind, um mit den Saitenrechnern einen neuen Saitensatz zu errechnen. Bei den umsponnen Bass-Saiten der großen Bassoktave spielt ein "Meßfehler" von 200 Gramm keine große Rolle.