SugarStrings

Saiten - Werkstoffe


BioCarbon / Sipario / Sugarstring

Wenn die Marketingabteilung freie Hand bekommt, wird es leider meistens nicht verständlicher.
BioCarbon ist ein technischer Werkstoff der erst einmal gar nichts mit dem Saitenwerkstoff Carbon und vom Grundsatz noch nicht einmal etwas mit einer Musiksaite zu tun hat. Bei BioCarbon wird eine technische Faser aus dem Pflanzenpolymer "Lignin" gewonnen (also ein BioPolymer), beispielweise aus Abfällen der Cellulose bei der Papierherstellung (Bericht) oder anderer holzartiger Biomasse.

Der Hersteller von Musiksaiten aus dem Bio-Werkstoff ist die italienische Firma Aquila-Corde. Nach eigenen Aussagen des Firmeninhabers wurde das Material 2018 von einem befreundeten Chemiker in Norditalien entwickelt. Vom Grundgedanken soll BioCarbon wie auch Nylgut als synthetischer, technischer Werkstoff eine Darmsaite ersetzen. Aquila-Corde fertigt die BioCarbon-Saiten aus dem Lignin des Zuckerrohr. Die hauseigene Marketingabteilung macht "Zuckersaiten" daraus. Und so nennen sich BioCarbon-Saiten von Aquila-Corde welche eigentlich als Darmersatz konzipiert sind "Sugar-Strings". Die neutrale Farbgebung ist Darm-Braun und trägt das Kürzel SHN. Für Harfen gibt es die Saiten auch eingefärbt in Rot (Typ SHR) und Blau (SHB).

Während diese Sugar-Strings als Ukulelen- und Gitarrensaiten schon eine Weile auf dem Markt sind, läßt seit Ende 2020 das Harfenbau-Konsortium Lyon&Healy/Salvi für sein neues Harfenmodell "Drake" diese Saiten in Lizenz fertigen. Der Markenname dieser Saiten bei Lyon&Healy ist "Sipario" (frei übersetzt so viel wie "Vorhang-auf").

Die Saiten sind äußerlich ganz glatt und fühlen sich aus der Saitentüte erst einmal recht hart an. Im gespannten Zustand werden sie haptisch etwas weicher als die Nylgut- oder Tynex-Saiten. Der Farbton ist cremefarben (beige-braun). Nach eigenen Angaben des Herstellers ist das Saitenmaterial 18-24% flexibler als Karbon-Saiten (Savarez-Alliance). Dadurch dass die Saiten beweglicher sind, schwingen sie etwas freier und dadurch länger aus, was die Klangbrillianz und die Anregung von Obertönen begünstigt.

Feuchtigkeitsaufnahme wie Nylgut bei 0,1%.
Das spezifisches Gewicht habe ich mit 1316 kg/m³ ermittelt.
Bruchlast entsprechen dem Werkstoff Nylgut/Silkgut mit 360 N/mm².

Besonderheiten: Die Saitendicke stimmt ziemlich genau mit dem angegebenen Durchmesser überein (im Gegensatz zu Nylgut!). Im belasteten Spielzustand streckt sich die Saite noch ein klein wenig und wird ca. 8% dünner.